Preisträger 2017

Im Rahmen der 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie in Berlin ehrte die DGA Wissenschaftler für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Angiologie.

CLI-Preis an Dr. Eva Freisinger

Elke Patelschick, medac, Dr. Eva Freisinger, Prof. Dr. Ulrich Hoffmann

Impact of Diabetes on Outcome in Critical Limb Ischemia with tissue loss - a largescaled Routine Data Analysis

 Die kritische Extremitätenischämie (CLI) als das chronische Endstadium der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremität, führt jährlich zu mehr als 200.000 stationären Krankenhausaufenthalten in Deutschland (Malyar Eur Heart J 2013). Die Prognose dieser Patienten ist schlecht: So berichtete unsere Arbeitsgruppe bundesweit von jährlich ca. 10% Major- und ca. 15.5% Minoramputationen bei Patienten der Rutherford Stadien 5 und 6, insgesamt mehr als 50.000 Amputationen (Malyar Angiology 2016). Ein begleitender Diabetes mellitus, wie er bei jedem Dritten amputierten pAVK Patienten vorhanden ist, erhöht das Mortalitätsrisiko um eine Odds Ratio von 1.38 (95%-CI 1.33-1.43 p<0.001; Malyar Angiology 2016).

Gegenstand der Studie Impact of Diabetes on Outcome in Critical Limb Ischemia with tissue loss - a largescaled Routine Data Analysis war es, auf Basis von 15,332 nicht-selektionierten Patienten ein umfassendes Bild der realen Versorgungslage diabetischer CLI Patienten mit Gewebsdefekten (Rutherford 5 und 6) zu zeichnen. Hierbei sollte der Einfluss eines begleitenden Diabetes mellitus auf Therapiestrategien, Komplikationen, sowie deren Einfluss auf die Prognose der Patienten und Gesundheitskosten analysiert werden.

Es zeigte sich, dass in den Rutherford Stadien 5 und 6 ein begleitender Diabetes mit geringerem Einsatz revaskularisierender Maßnahmen assoziiert war (RF5: 45.0 vs. 55.5%; RF6: 46.5 vs. 51.8; p < 0.001). Insbesondere chirurgische Revaskularisationen erfolgten seltener in der Subgruppe von CLI Patienten mit Diabetes (RF5: 13.4 vs. 23.4; RF6: 19.7 vs. 29.6; p < 0.001), wohingegen eine endovaskuläre Strategie im Rutherford Stadium 6 etwas häufiger durchgeführt wurde als bei Patienten ohne Diabetes (31.0 vs. 28.1; p = 0.004). Der Diabetes war assoziiert mit einer höheren Infektionsrate (RF5: 35.3 vs. 23.5%; RF6: 44.3 vs.

27.4%; p < 0.001) und erhöhten in-hospital Amputationen (RF5: 13.0 vs. 7.3%; OR 1.67; RF6: 47.5 vs. 36.7%; OR 1.53; p < 0.001). Zudem erhöhte ein begleitender Diabetes das Langzeit-Risiko für Amputationen um eine Hazard Ration von 1.51 (RF5) bzw. HR 1.33 (RF6; p < 0.001), und ist verbunden mit langfristig deutlich erhöhten Gesundheitskosten (kumulativ rund 23.000 EUR pro Patient im 4-Jahres-Nachbeobachtungszeitraum). Die ohnehin schlechte Überlebensprognose von CLI Patienten mit Gewebsdefekten (4-Jahres-Mortalität RF5: ca. 50%, RF6: ca. 60%) wurde durch einen begleitenden Diabetes jedoch nicht noch weiter verschlechtert.

Zusammenfassend zeigt die vorliegende Studie, dass ein begleitender Diabetes sogar im klinischen Endstadium der pAVK mit bereits vorhandenen Gewebsdefekten maßgeblich das ohnehin hohe Amputationsrisiko sowohl kurz- als auch langfristig noch weiter erhöht. Dennoch ist bei ohnehin nur geringen Revaskularisationsraten in diesem CLI Patientenkollektiv ein begleitender Diabetes mit einem noch selteneren Einsatz revaskularisierender Therapien verbunden. Aber nicht nur hinsichtlich der klinischen Prognose, sondern auch aus gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten, hat ein begleitender Diabetes eine ungünstige Auswirkung auf den Verlauf der CLI Patienten.


Promotionspreis der DGA für Dr. Dr. Christoph Leib

Dr. Dr. Christoph Leib, Prof. Dr. Ulrich Hoffmann

Protektive Rolle regulatorischer B-Zellen bei Atherosklerose

B-Zellen sind Teil des adaptiven Immunsystems. Ihre regulatorischen Funktionen in diversen Immunerkrankungen sind bisher weitgehend unerforscht. Die Existenz sogenannter regulatorischer B-Zellen (Bregs) als mögliche anti-inflammatorische Komponente des Immunsystems ist erst seit kurzem bekannt. In der Pathophysiologie der Atherosklerose spielen (Auto-)Immunmechanismen eine bedeutende Rolle. Ob und inwiefern Bregs einen protektiven Effekt in der Pathogenese der Atherosklerose ausüben ist bisher weitgehend unerforscht. In dieser Arbeit wurde in einem experimentellen Ansatz erstmalig ein atheroprotektiver Effekt eines bestimmten Subtyps regulatorischer B-Zellen in Atherosklerose nachgewiesen. 

Hierzu wurden in einem ersten Ansatz mittels FACS-Analysen Marginalzonen-B2-B Zellen aus Spenderorganismen isoliert. Diese wurden anschliessend mit einem stimulierendem αCD40-Antikörper in vitro behandelt. Die αCD40-Stimulation führte einerseits zu einer Expansion von Bregs mit Phänotyp CD21(hi)CD23(hi)CD24(hi) und andererseits zu einer signifikant erhöhten Produktion des anti-inflammatorischen Zytokins Interleukin-10 (IL-10) in diesem Breg-Subtyp. In einem zweiten Ansatz wurde ein potentiell atheroprotektiver Effekt der regulatorischen Marginalzonen-B2-Bregs Zellen in vivo untersucht. Hierzu wurden zuvor isolierte und mit αCD40 stimulierte, IL-10 produzierende B2-B -Zellen in experimentell induzierter Atherosklerose systemisch injiziert (als Modell einer Neointimabildung wurde ein perivaskuläres Band um die A. carotis operativ angelegt). Der adoptive Transfer von Bregs reduzierte die Neointimabildung in den Empfängerorganismen signifikant. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass der adoptive Transfer zu einer Erhöhung von anti-inflammatorischen T1-regulatorischen T-Zellen (Tr1) in den suprailiakalen Lymphknoten der Empfänger führte. 

Die in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse konnten erstmalig zeigen, dass IL-10 produzierende regulatorische B-Zellen mit dem Phänotyp CD21(hi)CD23(hi)CD24(hi) nach αCD40 –Stimulation in vitro expandieren, welche einen atheroprotektiven Effekt experimenteller Atherosklerose in vivo besitzen. Zielgerichtete zelluläre Immuntherapien zur Behandlung der Atherosklerose könnten somit eine vielversprechende Therapieoption in der Zukunft sein. 

 

 

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